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Ägyptische Geschichte und der biblische Bericht: Ein perfektes Paar?

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von Daniel Anderson
übersetzt von Markus Blietz

Schon seit Jahren ziehen die öffentlichen Medien über die biblischen Berichte von Josef, Mose, das Passah-Fest und den Auszug aus Ägypten her und behaupten, diese seien völlig unvereinbar mit der klassischen ägyptischen Chronologie. Jahr für Jahr sagen uns zahlreiche Gelehrte, dass die Ereignisse, die im ersten und zweiten Buch Mose aufgezeichnet sind, nichts anderes seien als nette Legenden, ohne jeglichen historischen oder archäologischen Wert.

Jetzt aber weht ein anderer Wind. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachrichtungen fordert öffentlich eine drastische Verkürzung der ägyptischen Chronologie. Eine solche Verkürzung würde helfen, die historischen und archäologischen Angaben aus Ägypten und dem Alten Testament in Übereinstimmung zu bringen. Und wenn dies passiert, wird man die Glaubwürdigkeit des Schöpfungsberichts, des Auszugs aus Ägypten und des gesamten Alten Testaments als brauchbare Quelle historischer Wahrheit neu überdenken müssen.

Verfechter einer revidierten Chronologie

Die Verfechter einer Revision der konventionellen ägyptischen Chronologie sind zugegebenermaßen in der Minderheit, aber sie genießen ein hohes Ansehen aufgrund ihrer fachlichen Qualifikationen und wissenschaftlichen Arbeiten. David Rohl, Autor des Buchs Test of Time, schlägt vor, dass „Ramses II. auf das zehnte Jahrhundert vor Christus datiert werden sollte – ungefähr dreihundertfünfzig Jahre später als nach der konventionellen Chronologie.“1 Peter James und vier weitere Forscher veröffentlichten das Buch Centuries of Darkness.2 Sie fordern, dass die Jahresangaben für die verschiedenen ägyptischen Dynastien um einige hundert Jahre verringert werden müssen, insbesondere für die Dynastien einundzwanzig bis vierundzwanzig. Colin Renfrew, Professor für Archäologie an der Universität von Cambridge, schreibt in dem Vorwort zu diesem Buch:

„Dieses Besorgnis erregende Buch zieht die Aufmerksamkeit auf … eine entscheidende Periode der Weltgeschichte, auf die sehr unsichere Datierungsmethode, das gesamte chronologische Bezugssystem, auf der unsere gegenwärtigen wissenschaftlichen Auslegungen beruhen … und es zeigt, dass die bestehende Chronologie in dieser entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte um mehrere Jahrhunderte verkehrt ist, und folglich die Geschichte neu geschrieben werden muss.“3

Sir Alan Gardiner, eine Autorität in ägyptischer Geschichte, gesteht die inhärenten Probleme zu, mit denen ägyptische Chronologie zu kämpfen hat:

„Selbst wenn man ausgiebig von den Königslisten und von zusätzlichen überlieferten Quellen Gebrauch macht, weist das unverzichtbare Bezugssystem der ägyptischen Dynastien bedauernswerte Lücken und viele zweifelhafte Zuordnungen auf … Das, was stolz als ägyptische Geschichte präsentiert wird, ist in Wahrheit nur ein unvollständiges Puzzle.“4

David Down, der auch Autor der wichtigen Veröffentlichung ´False History—out with David and Solomon´ war, sowie Dr. John Ashton schrieben 2006 das Buch Unwrapping the Pharaos: How Egyptian Archeology Confirms the Biblical Timeline. Down hat archäologische Forschungen in Ägypten, Israel und dem Mittleren Osten seit fast einem halben Jahrhundert betrieben. In ihrem Buch schlagen die Forscher eine überarbeitete Chronologie vor, die ägyptische und alttestamentarische Geschichte in Übereinstimmung bringt.

Gründe, den traditionellen ägyptischen Zeitablauf in Frage zu stellen

Astronomisch begründete Annahmen


Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachrichtungen fordert öffentlich eine drastische Verkürzung der ägyptischen Chronologie.

Es wird oft behauptet, dass man eine perfekte Korrelation zwischen Sonnen-und Mondfinsternissen und den bestehenden Datumsangaben der ägyptischen Chronologie entdeckt hat. Diese Behauptung ist aber einfach falsch. Die Idee, die Datumsangaben auf astronomische Angaben zurückzuführen, basiert nicht auf Verfinsterungen von Himmelskörpern, sondern auf dem sogenannten „Sothischen Zyklus“. Der „Sothische Zyklus“ wird jedoch nirgendwo in den ägyptischen Aufzeichnungen erwähnt.5 Es gibt zwar Hinweise auf das ´Aufgehen von Sothis´, was man als Erscheinen des hellen Sterns Sirius gedeutet hat. Worum es aber eigentlich geht, ist, dass viele moderne Wissenschaftler theoretisieren, dass die Zeitaufzeichnungen der alten Ägypter angeblich verschoben waren. Man müsse daher einfach nur ihre Angaben im Licht der modernen Wissenschaft korrigieren, und alle chronologischen Probleme würden sich von selbst lösen. Die Ägypter waren aber in der Lage, ihre Pyramiden auf den Bruchteil eines Grads genau nach Norden, Süden, Osten und Westen auszurichten. Es ist daher wahrscheinlicher, dass die Ägypter auch die Kunst der sehr genauen Zeitmessung beherrschten. James und seine vier Mitforscher schreiben daher auch in ihrem Buch Centuries of Darkness: „… Es gibt gute Gründe, das ganze Konzept der Sothischen Datierung, das Ägyptologen früherer Generationen vertraten, abzulehnen.“ (Siehe auch unseren Artikel im Journal of CreationFall of Sothic theory: Egyptian chronology revisited“).

Manetho´s Labyrinth

Ein anderer Grund, die traditionelle Chronologie in Frage zu stellen, ist Manetho, ein ägyptischer Priester, der im dritten Jahrhundert vor Christus die Historie der ägyptischen Ereignisse aufzeichnete. Viele gehen davon aus, dass Manetho´s Aufzeichnungen unbestreitbare Tatsachen sind. Und in der Tat war Manetho sehr geschickt im Entziffern der Hieroglyphen und hatte Zugang zu vielen Inschriften, Dokumenten und anderen wichtigen Artefakten. Zwei Probleme kristallisieren sich aber heraus. Erstens erstellte Manetho seine Aufzeichnungen hunderte, ja sogar bis zu tausende von Jahren nach den eigentlichen Ereignissen. Und zweitens existiert heute keine einzige seiner Aufzeichnungen mehr.6 Die einzige Quelle für Manetho´s Niederschriften sind Zitate von Historikern wie Josephus, Africanus, Eusebius und Syncellus, die erst viel später nach Manetho lebten.

Historische Quellen für die ägyptische Chronologie

Das ägyptische Beweismaterial besteht aus zahlreichen Inschriften, Texten, Papyrus Dokumenten und Artefakten. Und obwohl sehr nützlich, zeichnet es ein doch nur sehr unvollständiges Bild der ägyptischen Geschichte.

Die antiken Schriften von Herodot, Manetho, Josephus, Africanus und Eusebius vermitteln uns zusätzliche historische Einblicke. Herodot, der berühmte griechische Historiker, reiste im fünften Jahrhundert vor Christus nach Ägypten und befragte Priester und andere sachkundige Personen. Manetho – wie wir weiter oben bereits sahen – stellte im dritten Jahrhundert vor Christus die ägyptische Geschichte für die Bibliothek in Alexandria zusammen. Josephus, der bekannte jüdische Historiker, zitierte Manetho in seinen gesammelten historischen Werken, die er im ersten Jahrhundert nach Christus zusammenstellte. Africanus und der Bischof Eusebius, namhafte Historiker aus dem dritten und vierten Jahrhundert nach Christus, zitierten ebenfalls Manetho und schrieben Abhandlungen über die ägyptische Geschichte. Alle diese hochangesehenen Historiker stimmen jedoch in ihren Zahlenangaben zur ägyptischen Chronologie oft nicht miteinander überein.

Aufgrund der sich widersprechenden Angaben zur ägyptischen Chronologie ist es unmöglich, eine vollständige Liste von Datumsangaben, Pharaonen und Dynastien zu präsentieren. Sir Alan Gardiner schrieb dazu: „Zur Rekonstruktion eines in sich stimmigen Bildes ist das Beweismaterial hoffnungslos inadequat.“ Folglich bleibt uns nichts anderes übrig, als die historischen Berichte der Ägypter mit anderen zuverlässigen historischen Quellen in Verbindung zu bringen. Die Angaben zur biblischen und assyrischen Zeitrechnung stimmen sehr gut überein und können dazu herangezogen werden, viele Unklarheiten in der ägyptischen Geschichte zu beseitigen. Mit anderen Worten, wenn die historischen Angaben des Alten Testaments und der Assyrer sich weitgehend decken, wäre es vollkommen logisch, eine Neufassung der ägyptischen Chronologie zu erstellen, um sie auf diese Weise mit den beiden vorgenannten zuverlässigen und unabhängigen Quellen in Übereinstimmung zu bringen.

Die Verbindung von Noah zu den Ägyptern

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Der hebräische Name einer der Enkel Noah´s lautet Mizraim (1. Mose 10, 6). Es ist kein Zufall, dass sich die modernen Ägypter selbst als die „Misr“ bezeichnen, ein von Mizraim abgeleitetes Wort. Nach dem ersten Buch Mose ist Noah´s Enkel Mizraim7 der Stammvater aller Ägypter. Nach einer überarbeiteten Chronologie wurde Ägypten kurz nach dem Turmbau zu Babel gegründet, ungefähr im Jahr 2100 vor Christus. Eusebius, der berühmte Historiker aus dem vierten Jahrhundert nach Christus, schreibt dazu:

„Ägypten wird von den Hebräern als Mestraim (oder Mizraim) bezeichnet, wobei Mestraim nicht lange nach der Sintflut lebte. Denn nach der Sintflut zeugte Cham (oder Ham), ein Sohn Noah´s, Aeguptos oder Mestraim; er war der erste, der sich in Ägypten niederließ, zu der Zeit, als sich die einzelnen Volksstämme in alle Windrichtungen zerstreuten … Mestraim war in der Tat der Gründer des ägyptischen Volks und aus ihm ging auch die erste ägyptische Dynastie hervor.“8

Nach der traditionellen Chronologie geht der ersten ägyptischen Dynastie eine ungefähr 2000 Jahre dauernde prä-dynastische Periode voraus. Das erste Buch Mose spricht von einer viel kürzeren Zeitspanne. Darüber hinaus enthielt der 1989 veröffentlichte jährliche Bericht des orientalischen Institutes in Chicago eine Zusammenfassung umfangreicher Forschungsergebnisse von Bruce Williams. Williams untersuchte erneut eine Reihe von Entdeckungen in Zusammenhang mit der prä-dynastischen Periode und kam zu dem Schluss:

„Die Veröffentlichungen sind Teil einer zunehmenden Menge an Beweismaterial, das einen so klaren Zusammenhang zwischen der sogenannten prä-dynastischen Periode und dem späteren Zeitalter der Pyramiden herstellt, dass man diesen Begriff völlig aufgeben sollte.“9

Williams hat mehrere Artikel in archäologischen Zeitschriften veröffentlicht, und seine aktuellen Forschungsergebnisse sind in Übereinstimmung mit dem Bericht aus dem ersten Buch Mose.

Abraham besucht Ägypten

Das biblische Datum für den Auszug aus Ägypten ist ungefähr 1445 vor Christus. 2. Mose 6, 4 und Galater 3, 16–17 teilen uns mit, dass der HERR 430 Jahre vorher einen Bund mit Abraham schloss, ungefähr im Jahr 1875 vor Christus. Nicht lange danach reiste Abraham nach Ägypten, um vor einer schweren Hungersnot im Land Kanaan zu fliehen (1. Mose 12, 10). Abraham´s Besuch in Ägypten blieb nicht unbemerkt, da die Minister des Pharao ihrem König von der großen Schönheit von Abraham´s Frau Sarah berichteten. Aus Furcht vor dem Pharao gab Abraham vor, dass Sarah seine Schwester war. Das Ergebnis war, dass der Pharao Sarah für eine gewisse Zeit in seinen Harem mit aufnahm und Abraham mit vielen teuren Geschenken überhäufte. Der HERR schlug jedoch das Haus des Pharao mit einer Reihe von Plagen, so dass dieser schließlich Sarah wieder freigeben musste, nachdem er festgestellt hatte, dass sie in Wahrheit Abraham´s Frau war.

Abraham kam ursprünglich aus der Stadt Ur im Land der Chaldäer (1. Mose 11, 31). Im Zeitraum 1922 bis 1934 fand Sir Leonard Woolley heraus, dass dies die erste Zivilisation war10, die ein überlegenes Wissen über Astronomie und Arithmetik hatten. Darüber hinaus erfand die sumerische Zivilisation das Schreiben, erstellte Wörterbücher und konnte die zweite und dritte Wurzel berechnen.11 Woolley´s Entdeckungen scheinen Josephus´ Aufzeichnungen über Abraham´s Aufenthalt in Ägypten zu bestätigen. Josephus schreibt über Abraham:

„Er vermittelte ihnen die Kunst der Arithmetik und brachte ihnen die Wissenschaft der Astronomie bei. Bevor Abraham nach Ägypten kam, waren die Ägypter noch nicht mit diesen Wissenschaften vertraut; sie kamen erst von den Chaldäern nach Ägypten.“12

Nach einer überarbeiteten Chronologie wäre Abraham nach Ägypten gekommen als Khufu (alias Cheops) Pharao war. Vor Khufu waren die ersten ägyptischen Pyramiden fantastische architektonische Bauwerke, aber sie waren nicht genau quadratisch und auch nicht genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Als aber Khufu seine meisterhafte Pyramide erbaute, schien geradezu eine explosionsartige Entwicklung von astronomischen und mathematischen Kenntnissen stattgefunden zu haben. Khufu´s Pyramide war perfekt quadratisch und genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.

Wenn man es der richtigen Dynastie zuordnet, war Abraham´s Aufenthalt in Ägypten möglicherweise der Katalysator, der eine architektonische Revolution in Ägypten auslöste.

Joseph kommt in Ägypten an die Macht

Die zwölfte Dynastie war einer der Höhepunkte in der ägyptischen Geschichte. Nach einer überarbeiteten Chronologie wäre Joseph in dieser Dynastie unter Sesostris I. an die Macht gekommen. Nach dem ersten Buch Mose war Joseph einer von Jakob´s zwölf Söhnen. Aus Eifersucht verkauften ihn Joseph´s Brüder an midianitische Handelsleute und diese verkauften Joseph wiederum an einen Minister des Pharao mit dem Namen Potiphar. Schließlich – nach einer Zeit der Versuchungen und Drangsal – gab der HERR Joseph das Recht, als der zweite Mann nach dem Pharao über Ägypten zu herrschen.

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Es ist bekannt, dass Sesostris I. einen Vezier oder ersten Minister mit Namen Mentuhotep hatte, der über außerordentliche Fähigkeiten verfügte. Der Ägyptologe Emille Brugsch schreibt in seinem Buch Egypt Under the Pharaos: „Kurzum, Mentuhotep … trat als das zweite Ich des Königs auf. Wenn er erschien, verbeugten sich an der Außentüre des königlichen Palasts alle großen Persönlichkeiten vor ihm.“13 Brugsch´s Schilderung scheint Joseph´s Status, wie in 1. Mose 41, 43 beschrieben, zu bestätigen. „Der Pharao ließ ihn in seinem zweiten Triumphwagen fahren. Es wurde vor ihm ausgerufen ´Beugt eure Knie´; und er machte ihm zum Herrscher über ganz Ägypten.“

Joseph´s größter Ruhm rührte aber von seiner Fähigkeit, Träume zu deuten, her. Die Ägypter legten sehr viel Wert auf Träume. Joseph war in der Lage, die verwirrenden Träume des Pharao zu deuten, indem er voraussagte, dass nach sieben fetten Jahren, sieben magere Jahre kommen würden. Da der Pharao von Joseph´s Traumdeutung überzeugt war, setzte er ihn ein, das Sammeln von Getreide während der sieben fetten Jahre zu überwachen.

Zwei Hinweise, abgeleitet von ägyptischen Inschriften, scheinen den Bericht aus dem ersten Buch Mose zu bestätigen. Zum einen findet sich auf dem großen Relief ´Hungry Rock´die Inschrift:

„Weil es Hapi, dem Nil-Gott, nicht gelang, noch rechtzeitig innerhalb von sieben Jahren zu kommen, gab es zu wenig Getreide, vertrockneten die Samen und gab es kaum etwas zu essen…“14

Zum anderen heißt es auf einer Grabinschrift von Ameni, einem Provinzgouverneur unter Sesostris I.:

„In meinen Tagen war niemand unglücklich, nicht einmal in den Jahren der Hungersnot, weil ich alle Felder der Provinz Mah bestellt hatte … und das Leben seiner Bewohner verlängerte und die erzeugten Nahrungsmittel aufbewahrte.“12

Hebräische Sklaven in Ägypten

Nach der traditionellen Chronologie hätte die Unterdrückung der hebräischen Sklaven in der achtzehnten Dynastie stattgefunden. Das Problem ist, dass es aus diesem Zeitraum wenig bis gar keine historischen Hinweise auf hebräische Sklaven in Ägypten gibt. Wenn man hingegen nach einer überarbeiteten Chronologie diesen Zeitraum in die zwölfte Dynastie verlegt, stößt man auf handfeste Beweise für israelitische Sklaven in Ägypten.

Dr. Rosalie David, Kuratorin der ägyptischen Abteilung im Museum von Manchester, schreibt über semitische Sklaverei in Kahun während der zweiten Hälfte der zwölften Dynastie:

„Es ist offensichtlich, dass es nicht wenige ´Asiaten´ in der Stadt gab, und das mag auch in anderen ägyptischen Städten der Fall gewesen sein. Diese Leute wurden von den Ägyptern einfach als ´Asiaten´bezeichnet, wobei man nicht genau sagen kann, ob sie ursprünglich aus Syrien oder Palästina kamen … Der Grund für ihren Aufenthalt in Ägypten bleibt unklar.“15

Die Bibel klärt uns darüber auf, warum die Israeliten als Sklaven in Ägypten lebten:

„Da kam ein neuer König auf über Ägypten, der nichts von Joseph wusste. Der sprach zu seinem Volk: ´Siehe, das Volk der Kinder Israels ist zahlreicher und stärker als wir´ … Darum setzte man Sklaventreiber über sie, um sie durch Lasten zu bedrücken … Und sie machten ihnen das Leben bitter mit harter Zwangsarbeit …“ (2. Mose 1, 8–14).

Dr. Rosalie David schreibt ebenfalls über die Anwesenheit von Sklaven in der ägyptischen Stadt Gurob:

„Die nur sporadischen Hinweise geben uns keine Antwort darauf, wie oder warum die ´Asiaten´ zur Zeit des Mittleren Reichs nach Ägypten kamen … Dennoch gibt es gesicherte literarische Hinweise darauf, dass es in Gurob ´asiatische´ Sklaven, Frauen und Kinder gab.“16

Ein anderes Indiz, das den biblischen Bericht unterstützt, ist die Existenz von Pyramiden, die in dieser Dynastie mit Hilfe von Lehmziegeln und Stroh hergestellt wurden. Wahrscheinlich war Amenemhet III., dessen Statuen einen mürrischen und hartherzigen Eindruck machen, der Pharao, der den sich beklagenden hebräischen Aufsehern die Antwort gab: „Ihr sollt dem Volk kein Stroh mehr geben zum Ziegelstreichen wie gestern und vorgestern. Lasst sie selbst hingehen und sich Stroh zusammensuchen!“ (2. Mose 5, 7).

Noch ein weiteres, sehr überzeugendes Indiz ist die Entdeckung von Kisten, die bei Ausgrabungen von Häusern in Kahun unter dem Fußboden gefunden wurden. Sir Flinders Petrie grub eine ganze Reihe dieser Kisten aus, die Skelette von bis zu drei Monate alten Babies enthielten, und in denen sich manchmal bis zu drei Skelette in einer Kiste befanden.17 Es ist einleuchtend, dass diese Baby-Skelette wahrscheinlich die Knochen der hebräischen Babies waren, die auf direkten Befehl des Pharaos getötet wurden, um das Bevölkerungswachstum der Hebräer einzudämmen (2. Mose 1, 16). Ein einziges männliches Baby entkam jedoch dem Todesurteil des Pharaos, und sollte den Verlauf der Geschichte der Hebräer entscheidend verändern.

Mose wird geboren

Nach dem zweiten Buch Mose wurde Mose als Baby von der Tochter des Pharao adoptiert, als sie gerade im Nil badete. Mose´s Eltern widersetzten sich dem Befehl das Pharao und legten sein Schicksal in die Hand des HERRN, indem sie ihn in einen Korb legten, den die Tochter des Pharao dann entdeckte. Viele meinen, dass das nur eine nette Geschichte sei, ohne realen Hintergrund. Welche ägyptische Prinzessin würde schließlich ein hebräisches Sklavenkind adoptieren und ihm damit die Möglichkeit geben, der Nachfolger des Pharao zu werden?

Wenn man aber Mose mit der zwölften Dynastie in Verbindung bringt, scheint die Familiengeschichte des pharaonischen Hofstaats dazu gut zu passen.18 Amenemhet III. hatte zwei Töchter; ob er auch Söhne hatte, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Es wurde zwar vorgeschlagen, dass Amenemhet IV. der Sohn von Amenemhet III. gewesen sei, aber es ist ebenso gut möglich, dass er einfach der Sohn von Sobekneferu, einer der Töchter von Amenemhet III., war. Amenemhet IV. ist eine sehr mysteriöse Figur in der ägyptischen Geschichte und es ist sogar möglich, dass er Co-Regent von Amenemhet III. oder von Sobekneferu war.

Mit Bezugnahme auf die Tochter des Pharao, schrieb Josephus: „Da sie kein eigenes Kind hatte … beabsichtigte sie ihn zum Nachfolger ihres Vaters zu machen.“ Auch Dr. Donovan Courville schlug vor, dass Sobekneferu die Ziehmutter von Mose war. Es ist plausibel, weil es keinen historischen Hinweis darauf gibt, dass Sobekneferu einen biologischen Nachkommen hatte. Wenn Sobekneferu tatsächlich die Ziehmutter von Mose war, würde der biblische Bericht ihres Bades am Fuß des Nils wirklich Sinn machen. Der Nil-Gott Hapi war der Fruchtbarkeitsgott der Ägypter, und Sobekneferu wohnte wahrscheinlich gerade einem religiösen Ritual bei. Vielleicht interpretierte sie das Erscheinen eines Babies, das im Fluss daher schwamm, als eine direkte Antwort auf ihr Gebet für ein Kind.

Der Auszug aus Ägypten

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Nach einer überarbeiteten Chronologie war Neferhotep I. wahrscheinlich der Pharaoh, unter dem die Israeliten in der dreizehnten Dynastie aus Ägypten auszogen. 2. Mose 7, 10 teilt uns mit, dass Mose und Aaron dem Pharao die Stirn boten: „ … und Aaron warf seinen Stab vor den Pharao und vor seine Knechte hin, und er wurde zu einer Schlange.“ Der Pharao war aber nicht beeindruckt : „Da rief der Pharao die Weisen und Zauberkundigen. Und auch die ägyptischen Zauberer taten dasselbe mit ihren Zauberkünsten. Und jeder warf seinen Stab hin, und es wurden Schlangen daraus“ (2. Mose 7, 11–12). Im Liverpool Museum gibt es einen Stab eines Zauberkundigen, der aus dieser Periode der ägyptischen Geschichte stammt.19 Der Stab sieht aus wie eine lange Kobra. Vielleicht übten die Zauberkundigen eine Art von Hypnose aus, die die Kobra-Stäbe scheinbar in echte Kobras verwandelte. Oder sie bedienten sich vielleicht Taschenspielertricks, und tauschten die Stäbe gegen echte Kobras aus.

Die zehn Plagen gehören wahrscheinlich zu den spektakulärsten Begebenheiten in der Geschichte um den Auszug aus Ägypten. Wenn die Plagen tatsächlich historische Ereignisse waren – so wie von Mose berichtet – dann sollten sich zumindest noch bruchstückhafte Hinweise auf ihre katastrophalen Folgen finden lassen. In der Tat gibt es im Leiden Museum in Holland eine Papyrusrolle, die eine fast unglaubliche Ähnlichkeit mit dem biblischen Bericht aufweist. Die Archäologen sind sich allerdings nicht einig darüber, wann diese Schriftrolle ursprünglich verfasst wurde. Ein Auszug liest sich wie folgt:

„… Die Pest geht durch das Land und überall ist Blut … Ja sogar der Fluss wurde zu Blut. Kann irgendjemand daraus trinken? Jeder vernünftige Mensch lehnt dies ab und dürstet nach Wasser … Sogar die Tore, Pfeiler und Mauern werden vom Feuer verzehrt … Den Ägypter von vornehmer Herkunft erkennt man nicht mehr wieder … Ausländer kommen nach Ägypten … Überall verdirbt das Getreide … Jedermann spricht ´Es ist nicht mehr´“20

(Siehe auch den Artikel „The ten plagues of Egypt: miracles or ´Mother Nature´?”, in dem überzeugend die populäre Theorie einer sogenannten ´Algenblüte´widerlegt wird).

Die letzte Plage ging dem Pharao mitten durchs Herz. Der HERR schlug um Mitternacht alle Erstgeborenen aller ägyptischen Familien. Die Hebräer wurden vor diesem furchtbaren Unglück gewarnt und Mose ordnete an, ein Lamm zu töten und sein Blut an die Türpfosten zu streichen. Der Vernichter würde an jedem Haus mit dem Blut des Lammes vorübergehen. Es ist bemerkenswert, dass Neferhotep´s Sohn, Wahneferhotep, nicht seinem Vater auf dem Thron nachfolgte. Stattdessen folgte auf Neferhotep I. sein Bruder Sobekhotep IV., „der den Thron besetzte, den sein Bruder vor Kurzem verlassen hatte.“21 Bis auf diesen Tag sind die Historiker nicht in der Lage, den Grund anzugeben, warum der Sohn von Neferhotep I. nicht Thron-Nachfolger wurde. Vielleicht sollte man doch den biblischen Bericht genauer unter die Lupe nehmen.

Ein anderes sehr interessantes Indiz ist der plötzliche Weggang der Einwohner von Kahun. Dr. Rosalie David schreibt dazu:

„Es ist offensichtlich, dass die Fertigstellung der Königspyramide nicht der Grund dafür war, dass die Bewohner von Kahun schließlich die Stadt verließen und all ihre Geräte und Habseligkeiten in den Geschäften und Häusern zurückließen … Aus der großen Anzahl, der Bandbreite und der Art von Gegenständen für den täglichen Gebrauch, die in den Häusern zurückgelassen wurden, kann man schließen, dass ihre Abreise plötzlich und unvorbereitet kam.“22

Die Indizien scheinen hingegen in Übereinstimmung mit 2. Mose 12, 33 zu sein, wo es heißt: „Und die Ägypter drängten das Volk sehr, um sie so schnell wie möglich aus dem Land zu treiben…“

Was aber geschah mit der mächtigen ägyptischen Armee? Nach dem biblischen Bericht verfolgte der Pharao und seine Armee die fliehenden Israeliten. Die Israeliten konnten aufgrund eines Wunders das Meer durchqueren, während die ägyptische Armee schließlich ihr Ende auf dem Grund des Roten Meeres fand (2. Mose 14, 28). Es ist daher kein Zufall, dass man die Mumie von Neferhotep I. niemals fand.

Das Rätsel der Hyksos – gelöst!

Archäologen und andere Wissenschaftler haben sich schon lange darüber die Köpfe zerbrochen, wie der mysteriöse Volksstamm der Hyksos Ägypten ohne militärische Konfrontation einnehmen konnte. Die Gelehrten, die eine überarbeitete Chronologie vertreten, setzen die Hyksos mit den Amalekitern gleich, die auch später die aus Ägypten fliehenden Israeliten attackierten. Es plausibel, dass die Amalekiter in Ägypten ohne Widerstand eindrangen, da Gott die ägyptische Armee durch die Katastrophe im Roten Meer stark dezimiert hatte.


...gibt es eine Vielzahl von historischen und archäologischen Indizien, die das erste und zweite Buch Mose bestätigen, wenn man diese Ereignisse erst einmal in den richtigen Zeitrahmen setzt.

Das Gleichsetzen der Hyksos mit den Amalekitern erklärt auch die andernfalls seltsame Passage „Amalek ist der Erste unter den Völkern“ (4. Mose 24, 20) und warum ein Ägypter „Knecht eines Amalekiter´s“ war (1. Samuel 30, 13). Das alles macht Sinn im Fall einer überarbeiteten Chronologie, wo die Amalekiter über das mächtige ägyptische Reich herrschten.

Dass die Amalekiter ganz in Vergessenheit gerieten, entspricht der Erfüllung einer Prophetie, die Gott Mose gegeben hatte: „Denn ich will Amalek unter dem Himmel austilgen, dass man seiner nicht mehr gedenke“ (2. Mose 17, 14). Aus diesem Grund haben heutzutage die wenigsten von den Amalekitern gehört, geschweige denn von ihrer früheren Vorrangstellung. Die tatsächliche Ausrottung (siehe auch „Was this a war crime?“) begann bereits zur Zeit von Saul. Saul aber war Gott ungehorsam (1. Samuel 15) und infolgedessen richteten die Amalekiter noch ein großes Chaos an, bis endlich David die Aufgabe erfolgreich zum Abschluss brachte (1. Samuel 30).

Schlussfolgerung

Man erzählt sich die Geschichte eines älteren, sehr angesehenen Archäologen, der in der israelitischen Stadt Gezer neben einem jungen Archäologen seine Ausgrabungen machte.23 Als sich der junge Archäologe über die historische Glaubwürdigkeit der Bibel lustig machte, antwortete der ältere Archäologe ganz ruhig „Wenn ich Du wäre, würde ich die Bibel nicht als Unsinn abtun“. Als ihn der junge Archäologe fragte „Warum?“ entgegnete er „Nun, die Bibel hat die Angewohnheit, dass sie sich am Ende immer als wahr erweist.“

Jahr für Jahr werden Christen mit Darstellungen und Zeitschriftenartikeln bombardiert, die die biblischen Berichte über Joseph, die Versklavung der Hebräer, Mose und den Auszug aus Ägypten als Mythen und Legenden abtun. Wie wir aber gesehen haben, gibt es eine Vielzahl von historischen und archäologischen Indizien, die das erste und zweite Buch Mose bestätigen, wenn man diese Ereignisse erst einmal in den richtigen Zeitrahmen setzt.

Um eine genaue Synchronisierung der biblischen Ereignisse mit einer überarbeiteten ägyptischen Chronologie zu erstellen, werden noch viele weitere Untersuchungen und Forschungsarbeiten, viel harte Arbeit und sorgfältige Studien notwendig sein. Unter der Voraussetzung der Korrektheit der biblischen Angaben und bei Anwendung professioneller wissenschaftlicher Standards hat eine Reihe von Wissenschaftlern einen bereits hoffnungsvollen Beginn gemacht. Am besten hat es jedoch Dr. Clifford Wilson, ehemaliger Direktor des australischen Instituts für Archäologie ausgedrückt:

„Mir ist kein allgemein anerkannter archäologischer Fund bekannt, der im Widerspruch zur Heiligen Schrift steht. Die Bibel ist das genaueste historische Textbuch, das die Welt jemals gesehen hat.“24

Ähnliche Artikel

Literaturhinweise

  1. Rohl, David A Test of Time: The Bible: from Myth to History, p. 128, Century Limited, London, UK, 1995; siehe auch den Artikel von John Osgood, Journal of Creation, 11(1):33–35, 1997. Zurück zum Text.
  2. James, Peter Centuries of Darkness, pp. XV–XVI, Pimlico, London, UK, 1992. Zurück zum Text.
  3. James, ref. 2, p. 39. Zurück zum Text.
  4. Gardiner, Allan Egypt of the Pharaohs, p. 53, Oxford University Press, London, UK, 1964. Zurück zum Text.
  5. Ashton, J. and Down, D Unwrapping the Pharaohs: How Egyptian Archaeology Confirms The Biblical Timeline, p. 74, Master Books, Green Forest, AR, 2006. Zurück zum Text.
  6. Ashton and Down, ref. 5, p. 73. Zurück zum Text.
  7. Das hebräische Wort מצרים (mitsrayim) steht nach John Gill’s Kommentar (siehe die "Online Bible") für Ägypten, und ist aus zwei Wörtern zusammengesetzt, die Ober- und Unterägypten bezeichnen. Zurück zum Text.
  8. Waddell, History of Egypt and Other Works by Manetho: The Aegyptiaca of Manetho, pp. 8–9. Zurück zum Text.
  9. Sumner, William ‘Scholarship Individual Research,’ The Oriental Institute Annual Report 1988–1989, p. 62, University of Chicago, Chicago, IL, 1990. Zurück zum Text.
  10. Offensichtlich war dies nicht die erste Zivilisation überhaupt, sondern die erste Zivilisation nach der Sintflut. Zurück zum Text.
  11. Ashton and Down, ref. 5, p. 201. Zurück zum Text.
  12. Whiston, W., Josephus’ Complete Works, Antiquities of the Jews, Book I, chapter VIII, para. 2. Zurück zum Text.
  13. Breasted, James A History of Egypt, p. 162, Scribner and Sons, New York, NY, 1954. Zurück zum Text.
  14. Ashton and Down, ref. 5, p. 84. Zurück zum Text.
  15. David, R The Pyramid Builders of Ancient Egypt: A Modern Investigation of Pharaoh’s Workforce, p. 191, Guild Publishing, London, UK, 1986. Zurück zum Text.
  16. David, ref. 15, p. 192. Zurück zum Text.
  17. Ashton and Down, ref. 5, p. 100. Zurück zum Text.
  18. Ashton and Down, ref. 5, p. 93. Zurück zum Text.
  19. Ashton and Down, ref. 5, p. 98. Zurück zum Text.
  20. Velikovsky, Immanuel, Ages in Chaos, Vol.1, ‘From the Exodus to King Akhnaton’, pp. 25–28, Abacus, London, UK, 1973. Zurück zum Text.
  21. Edward, C.J. et al., The Cambridge Ancient History, Vol. II, Part I, ‘History of the Middle East and the Aegean Region c. 1800–1380 BC’, p. 50, Cambridge University Press, Cambridge, UK, 1980. Zurück zum Text.
  22. David, ref. 15, p. 195 and 199. Zurück zum Text.
  23. Wieland, C., Archaeologist confirms creation and the Bible: Interview with archaeologist Clifford Wilson, Creation, 14(4):46–50, 1992. Zurück zum Text.
  24. Wilson, C, Archaeologist Speaks Out, Creation, 21(1):15, 1998. Zurück zum Text.

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