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Versuche, einen „Milliarden Jahre“ alten Titan zu retten

Der Saturnmond Titan lässt Langzeittheorien scheitern, trotz Rettungsversuchen

von 
übersetzt von Markus Blietz 

NASA/JPL/Space Science Institute| ©iStockphoto.com/kyoshino13315Titan

Neben dem Mars ist Titan das faszinierendste Objekt, das die Astrobiologen der NASA gerne näher erforschen möchten. Das liegt an seiner dichten Stickstoff- und Methanatmosphäre, unter der man eine Oberfläche voll „präbiotischer“ Chemie vermutet. Bevor sie aber über Leben auf Titan sprechen können, müssen sie zuerst das Dogma verbreiten, dass der riesige Mond Milliarden Jahre alt sei. Das ist es, was sie im Rahmen der Cassini-Mission versuchen, um ihre Theorie zu retten.

Wie schon ein Artikel in Universe Today betitelt wurde, liegt das Problem darin, dass „Titan – bei näherer Betrachtung – überraschend glatt und jugendlich aussieht“.1 Für uns ist das nicht überraschend, wohl aber für all diejenigen, die an Milliarden von Jahren glauben. „Die Oberfläche von Titan sieht nicht so alt und verwittert aus, wie sie sein sollte. Die Flüsse haben überraschend wenig Erosion verursacht und es gibt weniger Einschlagskrater als erwartet. Was also ist das Geheimnis von Titans jugendlichem Teint?“ Achten Sie auf das Vorurteil: Titan „sollte“ alt aussehen, aber tut es nicht. Er hat weniger Krater, als Leute, die an Milliarden von Jahren glauben „erwarten würden“.

„Titan ist etwa vier Milliarden Jahre alt, ungefähr genauso alt wie das übrige Sonnensystem“, betonte der Reporter felsenfest. „Die geringe Anzahl von Einschlagskratern führt allerdings zu einem geschätzten Alter von 100 Millionen bis einer Milliarden Jahren.“ Diese Schätzungen freilich basieren, wie auch andere astronomische Angaben, auf evolutionistischen Annahmen. Dennoch sind sie im Fall von Titan nicht hilfreich. Eine Milliarde ist nur knapp mehr als ein Fünftel des angenommenen Alters des Sonnensystems; 100 Millionen sind sogar nur der fünfundvierzigste Teil davon. Das bedeutet, dass das evolutionistische Alter zu 80-98% falsch ist, selbst nach ihren eigenen Annahmen.

Wir sollten uns vergegenwärtigen, dass evolutionistische Planetenforscher schon einmal im Fall von Titan spektakulär daneben lagen. In den 90er Jahren hatten sie ein globales Meer aus flüssigem Ethan vorhergesagt, das die gesamte Oberfläche von Titan bedecken sollte. Schätzungen reichten von einem halben Kilometer bis zu mehreren Kilometern Tiefe.2 Das angenommene Alter von Titan erforderte dies, denn durch den Sonnenwind wandelt sich Methan in der Atmosphäre mit bekannter Geschwindigkeit in Ethan um.3 Ein irreversibler Prozess, der im evolutionistischen Szenario 4,5 Milliarden Jahre lang andauern muss. Im Januar 2005 landete die Huygens-Sonde jedoch auf weichem, methangetränktem Sand. Seitdem hat der Cassini-Orbiter in der Nähe der Pole einige große Seen aus Methan und Ethan gefunden, aber die mittleren Breiten waren zur Überraschung der Wissenschaftler mit Sanddünen überzogen.

Es überrascht nicht, dass Aktionen auf den Plan gerufen werden, um die Milliarden von Jahren zu retten. Der Rest des Artikels von Universe Today tut genau das. „Forscher am MIT und der University of Tennessee in Knoxville haben Bilder von Titans Fluss-Netzwerk analysiert und schlagen zwei mögliche Erklärungen vor: Entweder geht die Erosion auf Titan extrem langsam vonstatten, oder einige erst vor Kurzem stattgefundene Phänomene haben ältere Oberflächenmerkmale wieder ausgelöscht.“ Beachten Sie, dass die Möglichkeit, dass Titan tatsächlich jung ist, nie in Betracht gezogen wird. Wie die Originalveröffentlichung im Journal of Geophysical Research4 bestätigt, „haben die fluvialen [Fluss-/Stromnetze] von Titan nur eine geringe erosive Veränderung der Oberfläche bewirkt“. Einmal ausgesprochen, versteigt man sich in reine Spekulation: „Dieses Ergebnis impliziert entweder ein vor Kurzem stattgefundenes, nicht fluviales Ereignis, das die Oberfläche neu formte, oder es bedeutet langfristige fluviale Inzisionsraten, die im Verhältnis zur Umgestaltung der Oberfläche relativ langsam sind.“ Es könnte freilich auch bedeuten, dass Titan „jung“ ist.5

Evolutionisten haben den Ozean von Titan nicht aufgegeben, sie haben ihn nur unter der Erde versteckt, sozusagen außer Sichtweite. Ein in Science am 27. Juli 2012 veröffentlichter Beitrag maß durch Gezeiten verursachte gravitative Verformungen von Titan, die „auf einen globalen Ozean in der Tiefe hinweisen“.6 So ein Ozean würde aber nicht weiterhelfen, da es sich um eine Wasser-Ammoniak-Mischung handeln würde, und nicht um Ethan und Methan. Außerdem wurde kein Prozess vorgestellt, der den Ozean (versteckt unter einer bis zu 100 km dicken Eisschicht) dazu bringen könnte, an die Oberfläche auszubrechen, wo er dann zur Erosion der fehlenden Einschlagskrater beitragen könnte.

Wenn es keine anderen Schwierigkeiten gäbe, die einen Milliarden Jahre alten Titan in Frage stellen, könnten wir den Wissenschaftlern etwas mehr Zeit zugestehen, um Antworten zu finden. Doch die Atmosphäre von Titan wird rasch durch den Sonnenwind erodiert, darunter auch Methan, das irreversibel in Ethan umgewandelt wird, das dann in flüssiger Form auf die Oberfläche niedergeht. Methan erwärmt jedoch auch den Stickstoff in der Atmosphäre, so dass er in der Gasphase bleibt. Wenn das Methan daher auf ein kritisches Niveau sinkt, sollte der Stickstoff gefrieren und die gesamte Atmosphäre katastrophal auf die Oberfläche kollabieren. Ein prominenter Atmosphärenforscher setzte dafür eine Obergrenze von 10 Millionen Jahren an; er hatte keine Erklärung, warum Titan noch immer eine Atmosphäre hat.7 Nachfolgende Suchaktionen von Kryovulkanen, die das Methan aus einem hypothetischen unterirdischen Speicher ersetzen könnten, haben sich als erfolglos erwiesen.

Vertreter des Langzeitmodells könnten Titan noch als Ausnahme von der Regel entschuldigen, wenn man sonst keine weiteren Probleme im Saturn-System hätte. Saturn stellt aber zahlreiche weitere Herausforderungen an den üblichen Konsens von 4,5 Milliarden Jahren. So verfügt Enceladus über aktive Geysire, die Eis und Staub mit erstaunlicher Geschwindigkeit ausbrechen lassen. Iapetus zeigt eine Trennung von hellem und dunklem Material durch einen katastrophischen Prozess. Jeder der Saturnmonde ist einzigartig; es gibt keine Regelmäßigkeit, die auf ein hohes Alter hinweist. Darüber hinaus stellen die Ringe des Saturn Langzeitmodelle erheblich in Frage, und zwar so sehr, dass ein Wissenschaftler kürzlich ernsthaft davon ausgegangen ist, dass ein titangroßes Objekt sehr nahe gekommen sein muss, lange nachdem sich der Saturn gebildet hatte, und dass es auseinandergebrochen sein muss, um dann zu den Ringen zu werden.8 Solche ad-hoc-Hypothesen zur Rettung von Theorien vor widersprechenden Indizien werden normalerweise in der Wissenschaft missbilligt. Neben Saturn könnte man eine Vielzahl weiterer Beispiele für ein „junges“ Alter im Sonnensystem anführen.

Planetenwissenschaftler sind sehr geschickt darin zu beobachten, was momentan existiert – keine Frage. Aber sie haben eine lange Liste von Misserfolgen, wenn es darum geht zu erklären, wie und wann die Planeten entstanden sind. Jeder Planet, den man besucht hat, wich von den Vorhersagen ab, was vor allem auf das dogmatische Festhalten an langen evolutionistischen Zeiten zurückzuführen ist. Es ist Zeit für andere Sichtweisen, die sich nicht auf die Annahme von 4,5 Milliarden Jahren stützen.

Wenn Sie das nächste Mal von einer Obergrenze von 10 oder 100 Millionen Jahren für einen beobachteten Prozess hören, denken Sie daran, dass es sich dabei nur um eine Obergrenze handelt. Es könnte auch viel weniger sein, und Zeitangaben einschließen, die dem biblischen Zeitrahmen entsprechen. Bereits die hier genannten Obergrenzen sind jedoch schon eine Katastrophe für die evolutionistische Weltanschauung.

Literaturnachweise und Bemerkungen

  1. Beneath the Mask, Titan looks Surprisingly Smooth and Youthful, Universe Today, 26 July 2012, universetoday.com. Zurück zum Text.
  2. Owen, T., Titan, in: The New Solar System, 4th ed., 1999, p. 282. Zurück zum Text.
  3. Für Chemie-Interessierte: Ein hochenergetisches ultraviolettes Photon lässt Methan, CH4, in ein freies Radikal zerbrechen, d. h. in CH3• und H•. Die Punkte symbolisieren ungepaarte Elektronen, die diese Radikale sehr reaktiv machen. Eine mögliche weitere Reaktion ist dann (in der Tat sogar die dominante Reaktion) 2CH3• → C2H6 (Ethan). Siehe creation.com/methane, 9 September 2010 and rsta.royalsocietypublishing.org. Zurück zum Text.
  4. Black, B.A. et al., Estimating erosional exhumation on Titan from drainage network morphology, Journal of Geophysical Research 117:E08006 | doi:10.1029/2012JE004085, 2012. See also: River networks on Titan point to puzzling geologic history (with video), MIT News, web.mit.edu, 20 July 2012. Zurück zum Text.
  5. Für Evolutionisten: Die biblischen 6,000 Jahre wären "jung", obwohl es in der Tat alles andere als das ist. Zurück zum Text.
  6. Iess, L., Jacobson, R.A. et al., The Tides of Titan, Science 337(6093):457–459, 27 July 2012 | doi:10.1126/science.1219631. Zurück zum Text.
  7. Sushil Atreya, personal communication, 15 Jan 2002; see also Atreya, S., The Mystery of Methane on Mars and Titan, Scientific American, May 2007, pp. 42–51, scientificamerican.com. Zurück zum Text.
  8. Lovett, R.,Saturn’s rings formed by destruction of giant moon, Nature News, 5 October 2010 | doi:10.1038/news.2010.515, nature.com; “Giant moon collision ‘may have formed Saturn’s rings’,” BBC News, bbc.co.uk, 6 October 2010. Zurück zum Text.

Helpful Resources

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