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Wikipedia

Eine dubiose Quelle, aber ein mächtiges Werkzeug zur Unterdrückung von Meinungsverschiedenheiten

von
übersetzt von Paul Mathis

Veröffentlicht: 31. Juli 2018 (GMT +10)
wikipedia

Seit seiner Gründung im Jahr 2001 ist Wikipedia eine umstrittene Website, von verschiedenen Problemen geplagt, von denen das größte die ernsthafte Sorge um voreingenommene und fehlerhafte Inhalte ist.1 Dies ist kein geringes Problem für das Internet im Allgemeinen, da Wikipedia zu einer Anlaufstelle für fast alles geworden ist und in einem sehr hohen Prozentsatz der Google-Suchen als eines der Top-Ergebnisse erscheint.2

In jüngerer Zeit wurde Google durch einen Fauxpas in Verlegenheit gebracht, bei dem für die Suchergebnisse automatisiert Daten aus Wikipedia abgerufen wurden, in denen die kalifornische republikanische Partei (GOP) als „Nazis“ bezeichnet wurde – laut Google und Wikipedia das Ergebnis von „Vandalismus“.3 Dies zeigt nur, in welchem Maße Google, die mit Abstand meistgenutzte Suchmaschine der Welt, die auf Wikipedia-Seiten enthaltenen Informationen nutzt und welche Gefahren damit verbunden sind.

Wikipedia ist voll von offenkundigen Unwahrheiten und Voreingenommenheit gegen biblische Kreationisten. Es dient dazu, diese Voreingenommenheit weltweit zu verstärken, da Wikipedia eine immer breitere Anwendung findet.

Neutraler Blickwinkel?

Wikipedia unterliegt verschiedenen Richtlinien, die regeln sollen, wie Artikel auf der Website verwaltet werden. Gemäß ihrer Leitlinie „Neutraler Standpunkt“, müssen

alle enzyklopädischen Inhalte auf Wikipedia aus einem neutralen Blickwinkel geschrieben werden, was bedeutet, dass sie alle wichtigen Ansichten, die von zuverlässigen Quellen zu einem Thema veröffentlicht wurden, fair, verhältnismäßig und, soweit möglich, ohne redaktionelle Voreingenommenheit darstellen.

Hier sieht man bereits ein Potenzial für Voreingenommenheit, da hier subjektive Begriffe wie „signifikant“ und „zuverlässig“ verwendet werden. Wer bestimmt, was signifikant oder zuverlässig ist? Nun, die Redakteure selbst, wie sich herausstellt – das heißt Sie, ich und buchstäblich jeder mit einem Computer, der weiß, wie man Einträge in Wikipedia macht. Aber hier ist der Haken: Jeder kann auch Änderungen eines anderen Redakteurs rückgängig machen! Das bedeutet letztlich, dass Artikel einen „Konsens“ darstellen. Das wäre an sich schon schlimm genug, denn wir wissen, dass die Wahrheit nicht durch Mehrheitsbeschluss entschieden wird4 und „Konsenswissenschaft“ Anti-Wissenschaft ist5. Aber es ist sogar noch schlimmer, da die meisten Wikipedia-Artikel nicht von einer sehr großen Anzahl von Menschen kontrolliert oder bearbeitet werden. Hier ist der „Konsens“ eigentlich nur die Zustimmung einiger weniger Personen, die zufällig die einzigen sind, die eine bestimmte Seite zu einem bestimmten Zeitpunkt überwachen. Das heißt, je unbeliebter eine Seite ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Fehler und Voreingenommenheiten enthält, oder, wie der Wiki-Experte Alexander Halavais sagt, „Die stark frequentierten Bereiche werden die saubersten sein“.6

Aber auch stark frequentierte Bereiche werden nicht vorurteilsfrei sein, wenn das Thema kontrovers oder umstritten ist. Da Wikipedia im Wesentlichen eine Herrschaft des Mobs für Enzyklopädie-Inhalte vorsieht, wird die vorherrschende Ansicht des Mobs die Ausrichtung der Artikel bestimmen. Es ist naiv, von Leuten zu erwarten, dass sie sich selbst überwachen, wenn sie sich mit Themen befassen, denen sie abgeneigt sind, wie z. B. der biblischen Schöpfung.

Wer sind die „Wikipedianer“?

Wenn man sich vor Augen hält, wer „der Mob“ auf Wikipedia ist, dann ist es die Untergruppe von Leuten, die Zugang zum Internet haben, über Wikipedia Bescheid wissen, motiviert sind, Änderungen daran vorzunehmen – und zusätzlich über die technische Expertise verfügen, dies zu tun (da das Editieren in Wikipedia ein bisschen wie das Verwenden von Programmiersprachen ist). Wow! Das ist doch eine ziemlich spezialisierte Gruppe, oder? Und würden wir erwarten, dass diese bestimmte Gruppe in irgendwelche Kategorien passt? Wahrscheinlich vor allem jüngere und vor allem westliche Menschen, da das Internet ursprünglich ein Produkt des Westens ist und immer noch weitgehend vom Westen dominiert wird.

Es stellt sich heraus, dass meine Vorhersagen richtig waren. Eine Studie über Wikipedia-Redakteure aus dem Jahr 2010 zeigt, dass sich die meisten Redakteure in den USA (20%) befinden, gefolgt von Deutschland (12%) und Russland (7%). Das einzige nicht-westliche Land unter den Top 10 war Indien (3%), das natürlich auch aufgrund der Geschichte des britischen Kolonialismus einen starken westlichen Einfluss hat. 59% waren zwischen 17 und 40 Jahre alt.7

Wenn Wikipedia-Redakteure also eher jüngere Westler sind, welche Voreingenommenheit würden wir dort erwarten? Wir wissen, dass jüngere Menschen in den USA immer mehr den Glauben verlassen.8 Dieser Trend ist in Europa, das jetzt als post-christlich bezeichnet wird, noch gravierender.9 Der Trend bei jüngeren Menschen in den USA geht nach einem Bericht des Pew Research Center auch hin zur Akzeptanz des Darwinismus und zur Ablehnung der biblischen Schöpfung (laut einem Reporter, „…wenn man einen jüngeren Amerikaner fragt, wie die Menschen entstanden sind, bekommt man wahrscheinlich eine Antwort, die nichts mit Gott zu tun hat“).10

Vorurteil, Voreingenommenheit, Verzerrung!

Das alles summiert sich zu einer harten und traurigen Realität: Wikipedia ist sehr wahrscheinlich hoffnungslos und schrecklich unausgewogen bei Artikeln über Gott, Religion und Schöpfungswissenschaft. Beim Durchstöbern einiger relevanter Seiten fand ich einige wirklich erschreckende, unerhörte Beispiele dafür. In den Wikipedia-Richtlinien zum Thema „Rand-Theorien“ steht Folgendes:

„Pseudowissenschaften stützen sich gewöhnlich darauf, die gängigen wissenschaftlichen Theorien und Methoden anzugreifen, ohne selbst einen kritischen Diskurs zu führen (wie es bei biblischen Kreationisten üblich ist).“ [Hervorhebung durch den Autor]11

Sie haben nicht einmal den Versuch unternommen, sich zurückzuhalten, indem sie behaupten, Kreationismus sei Pseudowissenschaft.12 Kreationisten fehlt es sicherlich nicht an einem kritischen Diskurs; alle Artikel auf dieser Website werden beispielsweise einem Begutachtungsprozess unterzogen. Darüber hinaus veröffentlichen Kreationisten in Fachzeitschriften wie dem Journal of Creation und treffen sich auf Tagungen wie der International Conference on Creationism, wo unter anderem Ideen diskutiert und debattiert werden. Kreationisten veröffentlichen auch in säkularen Fachzeitschriften!13

Wikipedia klassifiziert den biblischen Kreationismus offen und unverhohlen als „Pseudowissenschaft“:

„Die Schöpfungswissenschaft ist ein pseudowissenschaftlicher Versuch, die Bibel in wissenschaftliche Fakten zu kleiden. Sie wird von professionellen Biologen als unwissenschaftlich, ja sogar als unehrliche und irregeführte Täuschung mit äußerst schädlichen Folgen für die Bildung angesehen.“14

Der Grad der Verzerrung und Falschdarstellung ist hier beinahe unaussprechlich. Es ist traurig, dass dies von der vielleicht meistgenutzten Informationsquelle des Internets kommt, aber das ist die Realität, der wir in diesem Jahrhundert entgegentreten müssen. Die Formulierung hier impliziert, dass es überhaupt keine professionellen Wissenschaftler gäbe, die Schöpfungswissenschaft unterstützen und betreiben – eine Behauptung, die völlig falsch ist.15

Ideologie ist ein großer Motivator

Gemäß der Neutralitätsrichtlinie von Wikipedia „dürfen Artikel nicht Partei ergreifen, sondern sollten die Positionen fair und ohne redaktionelle Voreingenommenheit darlegen. Dies gilt sowohl für das, was Sie sagen, als auch für das, wie Sie es sagen.“16 Laut einer Studie aus dem Jahr 2007 gehörte „Ideologie“ jedoch zu den am häufigsten angeführten Motiven für die Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln.17 Es besteht offensichtlich ein großer Interessenkonflikt, wenn Menschen aus ideologischen Gründen häufig Änderungen in Wikipedia-Artikeln vornehmen, was genau das Gegenteil von Wikipedias erklärter Neutralitätspolitik bedeutet. Das Resultat ist, dass Voreingenommenheit in Wikipedia-Artikeln weit verbreitet ist.

Die richtige Antwort darauf ist zweierlei: Erstens sollten sich Christen und biblische Kreationisten, wann immer möglich, gegen die um sich greifenden Vorurteile bei Wikipedia einsetzen und andere darauf aufmerksam machen. Wie sonst können wir auf eine positive Veränderung hoffen? Christen sollten sich online an der Debatte beteiligen, indem sie sich an der Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln beteiligen, um eindeutige Voreingenommenheit zu beseitigen (aber nicht zu versuchen, eigene pro-christliche Voreingenommenheit in den Text einzubringen).

Ich für meinen Teil habe bei Wikipedia Wirbel gemacht wegen Jonathan Sarfatis biographischer Seite, die auch ein verleumderisches Zitat von Eugenie Scott enthält, der „Refuting Evolution“ [Evolution widerlegt, Anm. d. Übers.] als ein „plumpes Stück Propaganda“ bezeichnet.18 Um es kurz zu machen, ich wurde aus diesem Grund auf unbestimmte Zeit gesperrt, und einer der Wikipedia-Redakteure hatte folgendes zu sagen (ein klares Eingeständnis von gezielter Diffamierung und Diskriminierung):

„Es besteht keinerlei Chance, dass Wikipedia Pseudowissenschaftler, die glauben, dass alles in 7 buchstäblichen Tagen vor 10.000 Jahren geschaffen wurde, genauso behandelt wie die eigentlichen Wissenschaftler – Astronomen, Physiker, Geologen, Paläontologen, etc. –, die solide Beweise dafür haben, dass die Erde viel, viel älter ist.“19

Natürlich verrät dieser Kommentar die Unwissenheit über den biblischen Bericht selbst, da Gott in 6, und nicht in 7 Tagen schuf. Darüber hinaus begeht er den „No True Scotsman“-Trugschluss, indem er behauptet, dass Schöpfungswissenschaftler keine „echten“ Wissenschaftler sind.20 [Anm. d. Übers.: Der „No True Scotsman“-Trugschluss ist eine Form der Neuinterpretation von Beweisen, um die Widerlegung der eigenen Position zu verhindern. Vorgeschlagene Gegenbeispiele zu einer Theorie werden als irrelevant abgetan, nur weil sie Gegenbeispiele sind und angeblich nichts mit der Theorie zu tun haben.]

Zweitens sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Wikipedia keine gute Informationsquelle ist, insbesondere zu weniger bekannten und potenziell kontroversen Themen. Das macht es aber nicht nutzlos. Zum Beispiel habe ich herausgefunden, dass Wikipedia eine gute Anlaufstelle ist, andere Quellen zu finden. Manchmal kann dies eine große Erleichterung sein, um relevante Seiten, Aufsätze, Bücher usw. zu einem interessanten Thema zu finden.

Es wurde immer wieder dokumentiert, dass in der Wissenschaft und in den Medien ein Kampf geführt wird, um jeden Dissens gegen den Darwinismus zum Schweigen zu bringen.21 Weil Wikipedia so konsensbasiert ist (Herrschaft der Mehrheit/des Mobs), leidet es unter allen Problemen, die solche Herrschafts-Systeme typischerweise haben, wie die „Tyrannei der Mehrheit“, bei der die Mehrheit gegen die Interessen von Minderheiten handelt.22

Die Probleme bei Wikipedia sind nur symptomatisch für einen größeren Kampf, der schon viel länger andauert, als es Wikipedia gibt. Lasst uns mit Gottes Hilfe unseren Teil dazu beitragen, die Wahrheit der Bibel und des Evangeliums Jesu Christi der Welt mittels aller möglichen Medien mitzuteilen und zu verteidigen.

Literaturangaben und Bemerkungen

  1. Fletcher, D., A Brief History of Wikipedia, content.time.com, 18. August 2009. Zurück zum Text.
  2. Petrilli, M., Wikipedia or Wickedpedia? Assessing the online encyclopedia’s impact on K-12 education, educationnext.org, 2008. Zurück zum Text.
  3. Grunin, L., Wikipedia says vandals caused Google to display Nazism as GOP ideology, cnet.com, 1. Juni 2018. Zurück zum Text.
  4. siehe den engl. Artikel: Can all those scientists be wrong?. Zurück zum Text.
  5. siehe den engl. Artikel: Why consensus science is anti-science. Zurück zum Text.
  6. Siehe Anm. 2 Zurück zum Text.
  7. Glott, R., Schmidt, P., Ghosh, R., Wikipedia Survey - Overview of Results, UNU-MERIT, 28. August 2011; zitiert bei Wikipedia: Wikipedians, en.wikipedia.org, aufgerufen am 6. Juni 2018. Zurück zum Text.
  8. Jones, Robert P., Daniel Cox, Betsy Cooper, und Rachel Lienesch. “Exodus: Why Americans Are Leaving Religion – and Why They’re Unlikely to Come Back”, PRRI.org, 22. September 2016. Zurück zum Text.
  9. Sherwood, H., ‘Christianity as default is gone’: the rise of a non-Christian Europe, theguardian.com, 20. März 2018. Zurück zum Text.
  10. Gross, R., Evolution Is Finally Winning Out Over Creationism, slate.com, 19. November 2015. Zurück zum Text.
  11. Wikipedia: Fringe theories, en.wikipedia.org, aufgerufen am 6. Juni 2018. Zurück zum Text.
  12. siehe den engl. Artikel: Is evolution pseudoscience?. Zurück zum Text.
  13. Ein Beispiel dafür, das die Vorhersagen aus Sanfords Buch Genetic Entropy bestätigt, findet man in Carter, R. und Sanford, J., A new look at an old virus: patterns of mutation accumulation in the human H1N1 influenza virus since 1918, Theor Biol Med Model., 2012 Oct 12, doi: 10.1186/1742-4682-9-42. Zurück zum Text.
  14. Creation science, en.wikipedia.org, aufgerufen am 6. Juni 2018. Zurück zum Text.
  15. siehe die Auflistung: Some scientists alive today who accept the biblical account of creation. Zurück zum Text.
  16. Wikipedia: Neutral point of view, en.wikipedia.org, aufgerufen am 7. Juni 2018. Zurück zum Text.
  17. Nov, O., What Motivates Wikipedians?, Communications of the ACM, 2007, 50 (11): 60–64, doi:10.1145/1297797.1297798; zitiert bei Wikipedia: Wikipedians, en.wikipedia.org, aufgerufen am 6. Juni 2018. Zurück zum Text.
  18. Siehe Jonathan Sarfati, en.wikipedia.org, aufgerufen am 11. Juni 2018. Zurück zum Text.
  19. Kommentar des Users ‘Guy Macon’, Talk: Jonathan Sarfati, en.wikipedia.org, aufgerufen am 11. Juni 2018. Zurück zum Text.
  20. Laut Definition auf logicalfallacies.info. Zurück zum Text.
  21. siehe den engl. Artikel: Not too old to be Expelled. Zurück zum Text.
  22. Siehe Tyranny of the Majority: Definition & Examples, study.com, aufgerufen am 7. Juni 2018. Zurück zum Text.

Helpful Resources

Busting Myths
by J Sarfati & G Bates, edited
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