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Die Bibel und der Wasserkreislauf

von
übersetzt von Paul Mathis

Es wird oft davon ausgegangen, dass die Aussagen der Bibel zu Naturphänomenen nur die unzureichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Zeit widerspiegeln können, in der die Bibel geschrieben wurde. Dies wird oft benutzt, um vom offensichtlichen Konflikt zwischen dem ersten Buch Mose (Genesis) und dem gegenwärtigen „wissenschaftlichen“ Paradigma von Entstehung und Urgeschichte der Welt abzulenken und ihn „wegzuerklären“. Wie dieser Artikel jedoch zeigen möchte, weist die Betrachtung des Wasserkreislaufs auf die göttliche Inspiration des Textes hin, da er detaillierte Kenntnisse der physikalischen Welt enthüllt, die von der „Wissenschaft“ erst viele Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende, später verstanden wurden.


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Die Bibel enthält viele Beobachtungen der natürlichen Welt. Bezüglich Aspekten, die den ganzen Planeten betreffen, gibt es Beschreibungen von Landschaften, Wetter- und Sturmbedingungen, Flüssen und Ozeanen. Bezüglich biologischer Aspekte gibt es Beschreibungen von Arten, Lebensräumen und Funktionalitäten von Ökosystemen. Es gibt auch Aussagen über physikalische und biologische Prozesse und sich verändernde Umweltbedingungen. Während diese Aussagen für einen heutigen Leser nicht ungewöhnlich erscheinen mögen, so hätten doch viele davon zum Zeitpunkt ihrer Aufzeichnung bei dem damaligen Leser Fragen aufwerfen können.

Vielleicht sind in der Bibel Aspekte des Wasserkreislaufs oder die Verteilung und der Transport von Wasser die häufigsten Hinweise auf die Natur. Wasser ist lebensnotwendig, eine reinigende Substanz und eine notwendige Grundlage jeder Zivilisation. Wasser wird in der Bibel auch als Bestandteil von Reinigung, Festen und Zeremonien genannt. Es gibt in der Bibel nicht nur viele Aussagen über den Wasserkreislauf an sich, sondern einen akkuraten Einblick in die meisten Aspekte der Transportvorgänge des Wassers und der damit verbundenen Prozesse, wenn die Aussagen aus den verschiedenen Büchern der Bibel kombiniert werden.

Wie in diesem Aufsatz gezeigt wird, entzog sich bis vor wenigen hundert Jahren den Gelehrten eine adäquate wissenschaftliche Beschreibung des Wasserkreislaufs dadurch, dass sie sich vor allem auf die Weisheitsliteratur (insbesondere die Bücher Hiob, Prediger und Psalmen) konzentrierten, obwohl die wichtigsten Prozesse des Wasserkreislaufs auch in anderen Büchern der Bibel zu finden sind.

Was ist der Wasserkreislauf?

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Abbildung 1. Der Wasserkreislauf.

Der Wasserkreislauf oder Wasserzyklus ist einfach die Verteilung und der Transport des Wassers auf unserem Planeten und hat, wie der Name schon sagt, eine zyklische, d. h. kreislaufförmige Ausprägung (Abbildung 1). Niederschläge fallen auf die Erde und können vorübergehend in Süßwassergewässern an der Oberfläche gespeichert werden, dringen in den Boden ein, wo sie zum Teil als Bodenwasser und Grundwasser gespeichert werden und zum Teil sofort verdunsten. Was nicht gespeichert werden kann oder nicht sofort wieder in die Atmosphäre zurückkehrt, findet dann seinen Weg in Bäche und Flüsse und erreicht schließlich Seen oder Ozeane. Wasser, das vorübergehend in den Böden oder in den Niederungen auf dem Land gespeichert wird, wird dann durch Pflanzen an die Luft abgegeben (Evapotranspiration) oder verdunstet schließlich aus dem Boden und offenen Gewässern wieder in die Atmosphäre, wo es rund um den Globus vom Wind getragen wird, um den Kreislauf erneut zu beginnen. Verdunstung findet auch bei den Ozeanen statt. Natürlich steckt noch viel mehr dahinter, und wir haben viele der feineren Details übersprungen (eine detailliertere Beschreibung findet sich im Einführungskapitel eines jeden hydrologischen Textbuches), aber die kontinuierliche und zyklische Natur dieser Wasserbewegung ist offensichtlich.

Der Wasserkreislauf ist das Reinigungssystem des Planeten, das Staub aus der Atmosphäre entfernt und die Bäche und Flüsse reinigt. Er ist auch für alle Aspekte des Lebens von entscheidender Bedeutung, da er für den Abbau und den Transport von Nährstoffen verantwortlich ist und somit den wichtigsten geologischen Prozess darstellt. Eine regelmäßige und gleichmäßige Versorgung mit sauberem Wasser war für alle Zivilisationen erforderlich, und Wasser war für den Großteil der Zivilisationsgeschichte das wichtigste Transportmittel, insbesondere für Güter und Erzeugnisse.

Antike Zivilisationen und ihr Gebrauch von Wasser

Bevor wir die Entwicklung der wissenschaftlichen Herangehensweise an den Wasserkreislauf untersuchen, sollten wir darauf hinweisen, dass zu Beginn der Zivilisation bedeutende Wasserversorgungssysteme entwickelt wurden, noch bevor ein klares Verständnis bestimmter Aspekte des Wasserkreislaufs vorhanden war. Andah1 merkt an, dass frühe Zivilisationen in der Lage waren, Strömungen von Oberflächengewässern ohne ein klares Verständnis des Wasserkreislaufs per se zu manipulieren und zu steuern, was durch Aufstauung und künstliche Bewässerung erreicht wurde. Shanan2 stellt fest, dass die Regenfeldbauweise ein riskantes Unterfangen sein kann, besonders wenn es saisonale Unsicherheiten der Niederschlagsmenge gibt, während künstliche Bewässerung diese Unsicherheit verringert und die Landwirtschaft in ansonsten unproduktiven Gebieten erlaubt. Shanan zitiert eine Inschrift auf dem Grab der Königin Semiramis von Assyrien (ca. 2000 v. Chr.): „Ich zwang den mächtigen Fluss, nach meinem Willen zu fließen und führte sein Wasser, um Ländereien fruchtbar zu machen, welche zuvor unfruchtbar und ohne Bewohner gewesen waren.“2

In Ägypten wurden seit frühester Zeit vom Nil Aufzeichnungen der Pegelstände angefertigt (wie in alten Manuskripten beschrieben3) und zwischen Kairo und Sues wurde ein Kanal für den Transport von Trinkwasser gebaut.1 Aus anderen alten Zivilisationen bietet Biswas4 eine umfangreiche Liste wichtiger Wasserinfrastrukturen, einschließlich Wasserversorgungsanlagen und Hochwasserschutzbauten, die weit vor 600 v. Chr. zurückreichen.

Diese Bewässerungs- und Aquäduktsysteme wurden entwickelt, bevor ein rudimentäres Verständnis der Strömungsmechanik mit den bahnbrechenden Strömungsuntersuchungen durch Heron von Alexandria irgendwann zwischen 150 v. Chr. und 250 n. Chr. gewonnen wurde.5 Es ist daher wichtig, diese Unterscheidung zwischen dem einfachen Gebrauch von Wasser auf der einen Seite und einem gründlichen Verständnis seiner Transportvorgänge und Prozesse auf der anderen Seite zu verstehen. Diese frühen Zivilisationen zeigen, dass man kein vollständiges und gründliches Verständnis dafür benötigt, wie natürliche Prozesse funktionieren, bevor man sie sich nutzbar machen kann (Abbildung 2).

Was die Philosophen und Wissenschaftler entdeckt haben

Die alten Griechen hatten verschiedene Vorstellungen über den Wasserkreislauf. Nach Thales von Milet (Ende 6. bis Ende 5. Jh. v. Chr.) entsprangen Bäche und Flüsse aus dem Untergrund. Man glaubte, dass es einen riesigen unterirdischen Süßwassersee gäbe, der durch Erhebungen mit der Erdoberfläche verbunden sei und sein Wasser durch oberirdische Quellen in die Flüsse der Welt ergoss. Variationen dieser Vorstellung wurden von zahlreichen anderen griechischen Philosophen wie Platon und Anaxagoras von Klazomenai (500–428 v. Chr.) ausgedrückt, die glaubten, die Erde sei voll von wasserhaltigen Höhlen, die für Flussquellen sowie Niederschläge sorgten.

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Abbildung 2. Das Aquädukt von Segovia in Zentralspanien stammt aus der Zeit um das 2. Jahrhundert herum und ist ein hervorragendes Beispiel für die Aquädukte des Römischen Reiches, die noch heute in ganz Europa, im Nahen Osten und in Nordafrika zu finden sind. Es diente dem Wassertransport aus den nahe gelegenen Bergen, die ca. 17 km entfernt liegen. Obwohl die römischen Ingenieure kein gutes Verständnis des globalen Wasserkreislaufs hatten, unternahmen sie dennoch bedeutende Wasserprojekte.

Die Ansicht von Aristoteles (Mitte des 3. Jh. v. Chr.) war etwas genauer. Er argumentierte in seiner Arbeit Meteorologica:

„Die Erde bleibt, aber die Feuchtigkeit, die sie umgibt, verdunstet durch die Sonnenstrahlen… und steigt auf. Aber wenn die Hitze, die ihn emporgehoben hat, ihn verlässt,… dann kühlt der Dampf ab, weil seine Wärme verschwunden ist und weil der Ort kalt ist, und er verdichtet sich wieder und verwandelt sich wieder von der Luft in Wasser. Und nachdem das Wasser sich gebildet hat, fällt es wieder auf die Erde.“6

Aristoteles blieb jedoch davon überzeugt, dass unterirdisches Wasser die Hauptquelle von Fließgewässern war. Er hielt es für ‚absurd‘, „wenn man annehmen würde, dass Flüsse all ihr Wasser aus den Quellen schöpften, die wir sehen (denn die meisten Flüsse entspringen aus Quellen)“.6 Bezüglich Thales, Platon und Aristoteles schreibt Dooge5: „Ein gemeinsamer Fehler in all ihrem Denken war die feste Überzeugung, dass Regenfälle nicht ausreichen, um Quellen und Flüsse zu speisen.“

Vitruvius, ein römischer Architekt aus dem ersten Jahrhundert v. Chr., beschrieb den Wasserkreislauf für seine Zeit angemessen. Er beschrieb Niederschlagsvorgänge und die Zusammenhänge zwischen Niederschlag und Fließgewässern und erkannte anhand dieser Beobachtungen, dass Flüsse primär aus Niederschlägen und nicht aus Quellen gespeist werden. Dennoch wurde das Konzept von Vitruvius von späteren Wissenschaftlern abgelehnt.

Mit dem Aufkommen der modernen Wissenschaft blieb die Frage, warum das Wasser noch lange nach dem Niederschlag in den Flüssen weiterfloss, noch im Unklaren. Dooge5 stellt fest, dass selbst Leonardo da Vinci in seinen Schriften (irgendwann zwischen 1504 und 1506 n. Chr.) unterirdische Hebemechanismen des Wassers in den Bergen postulierte und dass Galileo (um 1600 n. Chr.) frustriert von Fließgewässern war.

Erst die erste quantitative Messung des Wasserkreislaufs durch Pierre Perrault im 16. Jahrhundert brachte den Streit endgültig zum Erliegen. Perrault hat sowohl Niederschläge als auch die Menge der Fließgewässer im Seine-Becken in Frankreich vermessen und festgestellt, dass die Niederschlagsmenge sechsmal so hoch war wie die des Flusses. Kurzum, es gab mehr als genug Regen, um die Flüsse noch lange nach dem letzten Regenschauer mit Wasser zu versorgen. Durch diese Untersuchungen entstand schließlich ein umfassenderes Verständnis des Wasserkreislaufs.

Was die Bibel sagt

Wie alt sind die Bücher der Bibel?

Bevor wir einen Vergleich ziehen zwischen dem, was die Bibel sagt und dem, was die Philosophen und Wissenschaftler über den Wasserkreislauf festgestellt haben, müssen wir sicherstellen, dass die beiden Quellen unabhängig sind. Dafür müssen wir berücksichtigen, wann diese Bücher geschrieben wurden, um sicherzustellen, dass die Autoren der Bibel nicht einfach nur damals gängige Weltanschauungen des Wasserkreislaufs aufzeichneten.

Das Buch Hiob, das in erster Linie als poetischer Dialog über die Theologie des Leidens aus hebräischer Sicht geschrieben wurde, bietet eine reiche Quelle für Kommentare zum Wasserkreislauf und ist als solches ein großartiger Ausgangspunkt. Aber sein Autor und sein Alter sind umstritten. Habel7 stellt fest, dass „die Gelehrten Datierungen für das 10. Jahrhundert bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. vorgeschlagen haben“ und nimmt an, dass dies auf das Fehlen von Aufzeichnungen über historische Ereignisse im Buch Hiob zurückzuführen ist. Was wir wissen, ist, dass Fragmente des Buches Hiob unter den Schriftrollen vom Toten Meer gefunden wurden,8 die um 200 v. Chr. datiert werden, und dass sie in ‚paläohebräischer‘ Schrift geschrieben sind. „Die vielen seltenen Wörter und strukturellen Störungen machen den hebräischen Text des Buches Hiob zu einem der undurchschaubarsten im Alten Testament.“9 Außerdem:

„Es wird klar, dass der Autor in einem Dialekt geschrieben hat, der sich vom Hebräisch Jerusalems unterscheidet und in dem ein großer Teil des Alten Testaments aufgeschrieben ist. Sein Dialekt war viel näher am Aramäischen. … Er nutzte geschickt sein reiches Vokabular und seine Kenntnisse der verschiedenen Dialekte des Hebräischen, um die Tiefe seines Themas aufzuzeigen.“9

Habel7 argumentiert, dass „alle Hinweise zusammengenommen eher eine postexilische Ära in Frage kommt“ (Ende des 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.). Zahlreiche Experten stellen fest, dass keine levitischen Institutionen erwähnt werden und Hiob persönlich Opfer darbringt, was typisch für die Zeit vor dem Tempel ist (Zeit der Patriarchen). Harris8 meint, dass es „angesichts des patriarchalischen Milieus möglich zu sein scheint, an ein mosaisches oder leicht vormosaisches Datum zu denken, im Einklang mit einer viel älteren jüdischen und christlichen Auffassung“. Hartley9 glaubt, dass „das Zusammenspiel dieses Buches mit anderen alttestamentlichen Büchern, insbesondere mit Jesaja, am besten dadurch zu erklären ist, dass man dieses Werk im 7. Jahrhundert v. Chr. datiert“. Ungeachtet dieser Unterschiede schlagen die meisten Experten als Entstehungsdatum für das Buch Hiob spätestens das 4. Jahrhundert v. Chr. und wahrscheinlich ein viel früheres, möglicherweise vormosaisches, vor.

Andere Aussagen zum hydrologischen Kreislauf können aus Genesis (1. Buch Mose), Deuteronomium (5. Buch Mose), den Psalmen, dem Buch Prediger und Jesaja entnommen werden. Während die frühesten Fragmente davon auch in den Schriftrollen vom Toten Meer zu finden sind (etwa 200 v. Chr.), herrscht bei den Gelehrten die Meinung vor, dass sie tatsächlich viel früher geschrieben (und bei der Bundeslade aufbewahrt) wurden.

Die Quellenlage deutet stark darauf hin, dass diese Bücher der Bibel vor dem griechischen Philosophen Thales datieren. Wie wir in den folgenden Abschnitten sehen werden, gibt es zwischen diesen Berichten signifikante Unterschiede, und es gibt keine Hinweise dafür, dass die Gedanken des Thales und des Autors des Buches Hiob in irgendeiner Weise miteinander verbunden waren.

Biblische Beschreibungen des Wasserkreislaufs

Da Wasser ein notwendiger Bestandteil des Lebens ist, ist es nicht verwunderlich, dass die Bibel etwas über die Verteilung und den Transport des Wassers zu sagen hat. Die Bibel spricht weder wissenschaftlich noch erklärend darüber. Vielmehr spricht Gott in einer gewöhnlichen Sprache und in gewöhnlichen Konzepten zu Seinem Volk. Wasser ist ein alltägliches Thema.

Das Buch Hiob erwähnt mehrere Aspekte über den Wasserkreislauf, wie wir ihn heute nennen. Aber im Gegensatz zu den Gedanken des Thales beschreibt Hiob klar und deutlich die Konzepte, die den Wasserkreislauf ausmachen:

„Er bindet die Wasser in seinen Wolken zusammen, und das Gewölk zerreißt nicht unter ihrem Gewicht.“ (Hiob 26,8).
„Denn er zieht Wassertropfen herauf; sie sickern als Regen für seinen Wasserstrom herab, den die Wolken niederrieseln, auf viele Menschen herabtropfen lassen.“ (Hiob 36,27-28).
„Kennst du die Gesetze des Himmels, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde? Kannst du deine Stimme zu den Wolken erheben, sodass dich Regengüsse bedecken?“ (Hiob 38,33-34).
„Wer zählt die Wolken mit Weisheit, und wer schüttet die Schläuche des Himmels aus?“ (Hiob 38,37).
„…als er dem Regen sein Gesetz [Elberfelder-Übersetzung: Ordnung] bestimmte und dem donnernden Unwetter seinen Weg“ (Hiob 28,26).

Wie bereits erwähnt, wurden diese Verse nicht primär als Erklärung für einen Wasserkreislauf gegeben. Vielmehr wurden sie als allgemein verständliche Bilder verwendet, um Gottes Reich zu veranschaulichen, und in den oben genannten Schriftstellen, um Gottes Autorität über die Menschheit zu zeigen. In Hiob 28,26 zeigt Gott durch den Wasserkreislauf, dass Er nicht willkürlich mit Seinem Volk umgeht, sondern dass das Reich Gottes ebenso wie die Natur an Gesetze gebunden ist. Hiob 38,33-34 wiederholt Seine Herrschaft über die Erde und diese Gesetze und fordert die Menschheit heraus, Seine Autorität zu begreifen. Nachdem Hiobs Unwissenheit über diese Dinge gezeigt wurde, wird in Hiob 38,37 die Schwachheit der Menschheit weiter hervorgehoben, indem ihre Unfähigkeit, die sichtbarsten Naturphänomene zu begreifen, betont wird.

Obwohl der Zweck dieser Verse darin bestand, Gottes Reich zu veranschaulichen, enthalten sie doch stichhaltige Bemerkungen über hydrologische Konzepte, die weit über das Denken der Naturphilosophen und Gelehrten der damaligen Zeit hinausgingen.

Erstens gibt es den Begriff „Gesetze“ oder „Ordnungen“. Gott ist ein rationales Wesen, und hier zeigt Er diese Rationalität, indem Er Gesetze oder Ordnungen erschafft für das, was der Wasserkreislauf benötigt, damit er funktioniert.

Dies ist wohl ein bedeutenderer Punkt, als man heute vielleicht glauben mag. Zu der Zeit, als das Buch Hiob geschrieben wurde, waren andere große Zivilisationen polytheistisch (sie beteten viele Götter an). In polytheistischen Kulturen wurden für den menschlichen Geist und die Geheimnisse der Natur Erklärungen durch viele Götter gesucht. Tatsächlich empfand man das Leben voller Unsicherheiten, so dass praktisch alle Stadtstaaten ihren eigenen Hausgott hatten. Die Schutzgöttin von Athen war zum Beispiel Athene, deren Statue im Pantheon untergebracht war. In polytheistischen Gesellschaften grenzte das Konzept, dass es Gesetze oder Ordnungen für Naturphänomene gäbe, an Blasphemie. Die Unregelmäßigkeiten der Natur (z. B. Überschwemmungen und Dürren) wurden den Göttern zugeschrieben, die unberechenbar und potentiell in Konflikt miteinander standen. Die Idee, dass die Natur systematisch und vorhersehbar sein könnte, vorausgesetzt, wir verstehen die Gesetze oder Ordnungen eines Schöpfergottes, war revolutionär.

Zweitens wird das Konzept eines Kreislaufs im Buch Hiob festgelegt: Die Wassertropfen werden vom Boden herauf gezogen (Verdunstung), gerieselt (gereinigt), gespeichert (Schläuche oder Wolken, die nicht zerreißen), transportiert (Weg), in Regen umgewandelt (Kondensation und Niederschlag) und reichlich und segnend für die „vielen Menschen“ [in der engl. Bibel ist von einem „reichlichen“ Regen die Rede, Anm. d. Übers.] wieder zum Boden zurückgeschickt. Obwohl dieser Zyklus später von Aristoteles und Seneca beschrieben wurde, glaubte keiner von beiden, dass er die beobachtete Menge an Fließgewässern erklären könnte. Erst im 1. Jahrhundert v. Chr. glaubte Vitruvius, dass er ausreichend sei, und erst im 16. Jahrhundert n. Chr. konnten Messungen belegen, dass es mehr als genug Niederschläge gab, um die Fließgewässer zu versorgen. Doch das Buch Hiob besagt, dass es „reichlich“ Regen für die Nutzung durch den Menschen gibt.

In Prediger 1 ist eine Aussage über wichtige Konzepte zu finden, die den Wasserkreislauf, wie wir ihn heute kennen, beschreibt.

„Der Wind weht gegen Süden und wendet sich nach Norden; es weht und wendet sich der Wind, und zu seinen Wendungen kehrt der Wind wieder zurück. Alle Flüsse laufen ins Meer, und das Meer wird doch nicht voll; an den Ort, wohin die Flüsse einmal laufen, laufen sie immer wieder.“ (Prediger 1,6-7).

In diesen Versen sind die Konzepte eines Kreislaufs und einer Wasserbilanz (Massenerhaltung) eingebettet. Das Buch Prediger wurde Jahrhunderte vor Vitruvius geschrieben, der zum ersten Mal ähnliche Konzepte erwähnte.

An anderer Stelle in der Bibel werden verschiedene weitere hydrologische Prozesse beschrieben. Die Verdunstung wird in einer Reihe anderer Bücher erwähnt:

„Er lässt Dünste aufsteigen vom Ende der Erde her.“ (Psalm 135,7);
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Abbildung 3.Tauwasser ist in Israel im Sommer eine wesentliche Feuchtigkeitsquelle, die aus dem Mittelmeer eingetragen wird. Gott vergleicht sich selbst mit Tau (Hosea 14,5), um den Israeliten klar zu machen, dass sie Ihn brauchten, um zu überleben.

Genauso auch der Niederschlag:

„Du tränkst die Berge aus deinen Obergemächern.“ (Psalm 104,13)

Und auch die Quelle des Tauwassers (Atmosphäre [Abbildung 3]) und die Speicherung von Grundwasser:

„Sein Land sei vom HERRN gesegnet mit dem Köstlichsten des Himmels, mit Tau, und mit der Flut, die drunten ruht;“ (5. Mose 33,13)

Der Prozess der Infiltration (Eindringen in den Boden) sowie erneuter Niederschläge:

„Denn gleichwie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, bis er die Erde getränkt und befruchtet und zum Grünen gebracht hat.“ (Jesaja 55,10)

Die Freisetzung von Grundwasser durch Quellen:

„Aber der Engel des HERRN fand sie bei einem Wasserbrunnen in der Wüste, beim Brunnen auf dem Weg nach Schur.“ (1. Mose 16,7)
„Du lässt Quellen entspringen in den Tälern; sie fließen zwischen den Bergen hin.“ (Psalm 104,10)

Es gibt sogar Erkenntnisse über die Hydrologie des Grundwassers. Jesaja 4,3-5 bezieht sich auf ein „javal“ oder „juval“, das eine „plötzliche Überschwemmung ist, die in einem ansonsten trockenen Flussbett nach einem Sturm auftritt“10 und den Grundwasserspiegel in halbtrockenen Gebieten wieder auffüllt, sodass Weiden mit tiefen Wurzeln (aber nicht Gräser) schwierige Jahre überleben können.

Auch diese Verse sind nicht dazu gedacht, den Wasserkreislauf zu „erklären“, sondern sichtbare Werke der Natur als Metaphern zu verwenden. 5. Mose 33,13 zum Beispiel bezieht sich auf Mose, der vor seinem Tode [den Stamm] Joseph segnet – dass der Herr in der langen Trockenzeit während der Sommermonate weiterhin wertvollen Tau spendet. Laut Sansom11 ist dieser Tau entscheidend für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit dieser Region. Ebenso ist Jesaja 55,10 ein Versprechen, dass Gottes Wahrheit (so wie der Regen) fruchtbar sein wird und nicht leer zu ihm zurückkehrt – der Schriftsteller weiß, dass Wasser (eine Analogie zum „lebendigen“ Wasser in der Bibel) als Regen und Schnee fällt und als Dampf zurückkehrt, von wo es herkam, und dass es vorher Feuchtigkeit und Nahrung für eine spätere Ernte liefert (Pulpit Commentaries).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die physikalischen Beschreibungen des Wasserkreislaufs, die in der gesamten Bibel verwendet werden, um Autorität, Segnungen und Erlösung zu veranschaulichen, zutreffend sind. Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Nachforschungen zwischen 600 v. Chr. und 1600 n. Chr. stellen die Bibeltexte keine Unsicherheit, Ungenauigkeit oder Widersprüchlichkeit bei der Beschreibung hydrologischer Prozesse dar. Der Wasserkreislauf wird nicht als unterirdisches Wasser beschrieben, das in die Berge gesaugt wird und in Form von Quellen weiter fließt, um die Flüsse der Erde zu speisen. Die Bibel zeichnet stattdessen ein makelloses Bild der Dynamik und der Komponenten des Wasserkreislaufs, und das mehr als tausend Jahre, bevor die erste „wissenschaftliche“ Messung dies bestätigte.

Bevor wir jedoch zum Schluss kommen, müssen wir uns folgende Frage stellen: „Wird in der Bibel jemals behauptet, dass Wasser aus dem Untergrund die primäre Wasserquelle für die Erhaltung des Lebens ist?“ Überraschenderweise schon, aber nur an einer einzigen Stelle:

„Aber ein Dunst stieg beständig von der Erde auf und bewässerte die ganze Fläche des Erdbodens.“ (1. Mose 2,6).

Der Garten Eden wurde als Paradies auf Erden beschrieben, ein Land des Überflusses, das sein Leben spendendes Wasser ganz selbstverständlich aus dem Untergrund bezieht. Aber wir kehrten diesem Paradies den Rücken.

Schließlich gibt es auch eine Reihe von Begebenheiten, in denen Wasser ohne natürliche Quellen aus dem Boden floss, aber sie alle werden in der Bibel als Wunder und nicht als Gesetze beschrieben. Eine Begebenheit war, als die drei Könige durch Moab herausgefordert wurden:

„Und er sprach: So spricht der HERR: »Macht in diesem Tal Grube an Grube! Denn so spricht der HERR: Ihr werdet keinen Wind, noch Regen sehen; dennoch soll dieses Tal voll Wasser werden, sodass ihr zu trinken habt, ihr und auch euer kleines und großes Vieh. Und das ist noch ein Geringes vor dem HERRN; er wird auch die Moabiter in eure Hand geben.“ (2. Könige 3,16-18)

Eine andere ist ein Exodus-Wunder, als Wasser aus dem Felsen floss, nachdem Mose ihn geschlagen hatte:

„Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben, als sie hungerten, und Wasser aus dem Felsen hast du für sie hervorgebracht, als sie dürsteten.“ (Nehemia 9,15)

Wir wiederholen: beides wurde von Gott als Sein Werk, Sein Wunder angekündigt, außerhalb der Gesetze, die Er verordnet hat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bibel den Wasserkreislauf unseres Planeten genau beschreibt und dies bereits vor der Entstehung einer genauen, modernen wissenschaftlichen Abhandlung.

Überlegungen

Ein korrektes wissenschaftliches Verständnis des Wasserkreislaufs hat eine lange Zeit auf sich warten lassen, aber eine göttliche Erklärung dieses äußerst kritischen Lebenserhaltungssystems wurde uns von Anfang an gegeben. Über 2000 Jahre wissenschaftlicher Debatten, Beobachtungen und Messungen haben nun bestätigt, was Gott Seinem auserwählten Volk offenbart hat (wenn auch in flüchtigen Kommentaren und Analogien).

Welche Lehren können wir daraus ziehen?

Erstens: Gott verheimlicht uns keine schwierigen Konzepte – Er schützt uns in unserer Unwissenheit nicht vor der Wahrheit über Seine Schöpfung. War der Wasserkreislauf schwer zu ergründen? Absolut, und um den alten Philosophen die gebührende Anerkennung zu geben, wäre es arrogant anzunehmen, dass wir nicht dieselben Interpretationsfehler in Bezug auf den globalen Wasserkreislauf gemacht hätten, wenn wir nicht Zugang zu und Glauben an einen Schöpfergott hätten, der die Naturgesetze „verordnet“ hat.

Insbesondere könnte man argumentieren, dass Beobachtungsdaten (die von Wissenschaftlern zur Erstellung von Hypothesen und Ideen verwendet werden) in diesem Fall irreführend gewesen sein könnten. Was ist damit gemeint? Ganz einfach: Das, was wir von den Vorgängen der Natur wahrnehmen und was die wirklichen Vorgänge in der Natur sind, können zwei Paar Schuhe sein. Viele Leute würden zum Beispiel der Aussage zustimmen, dass ein sprudelnder Bach im Oberlauf der Berge schneller fließt als der scheinbar träge Fluss in der Ebene, aber das ist oft nur eine Sache der Wahrnehmung. Geschwindigkeitsmessungen zeigen, dass dies in den meisten Fällen nicht der Fall ist. Es ist nur unsere Wahrnehmung, dass das tosende, laute Wasser in den Bergen schnell fließt. Ebenso ist es unwahrscheinlich, dass viele Menschen – wenn sie sehen, wie ein großer Fluss noch Monate nach dem letzten Regenfall Wasser führt – glauben, dass der Fluss tatsächlich aus Regenwasser besteht und dass es einfach seine Zeit gedauert hat, bis das Regenwasser zum Fluss gelangen konnte (durch den Boden und das Grundwasser). Um diesen Punkt zu wiederholen: Gott hat Sein geoffenbartes Wort nicht versimpelt, weil es für die Menschen jener Zeit schwierig gewesen wäre, es zu ergründen. Warum denken wir also, dass Er dies in anderen Büchern und in anderen Berichten (wie der Schöpfungsgeschichte) getan haben könnte?

Zweitens zeigt diese Darstellung ganz klar, dass wenn Wissenschaft und Bibel im Widerspruch zueinander stehen, die Wissenschaft falsch liegen kann. Aber allzu oft suchen Wissenschaftler nach alternativen Erklärungen. Zum Beispiel, wenn es um die Stagnation in der Erforschung des Wasserkreislaufs während des Mittelalters (nach den frühen Errungenschaften der griechischen und römischen Philosophen) geht, zieht Bulu3 einen falschen Schluss, der unter Wissenschaftlern oft vorkommt: „Die Natur zu verstehen und zu untersuchen … hatte wegen der Macht der christlichen Kirche fast aufgehört“. Diese Stagnation resultierte vielmehr aus einer dezentralisierten Gesellschaft und Regierungsform nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches, einer zunehmenden Abhängigkeit von lokalen Technologien wie Wassermühlen statt Kanälen und einer Verringerung der Sklavenarbeit für große infrastrukturelle Projekte.5 Trotz der falschen Überzeugungen von Wissenschaftlern wie Bulu wurde das wissenschaftliche Denken über die Natur von der Kirche gefördert, wie zum Beispiel durch Bartholomaeus Anglicus (um 1250 n. Chr.), einem Franziskaner-Professor an der Universität Paris, der den Hebemechanismus untersuchte, um Wasser in die Berge zu bringen.

Verstehen wir nun, nach 2000 Jahren des Grübelns, Beobachtens und Messens, wirklich, wie dieses globale hydrologische System funktioniert? Wenn wir das tun, warum sind dann die Niederschlagsvorhersagen immer noch Schätzungen? Und warum können Wissenschaftler nicht vorhersagen, wie schwer die nächste Überschwemmung oder Dürre sein wird? Wir müssen immer noch die Frage stellen: Werden wir diesen Zyklus überhaupt jemals vollständig verstehen? Vielleicht haben wir die Antwort auf diese Frage schon im Buch Hiob erhalten: „Versteht man auch das Ausspannen der Wolken und den Donnerschall seines Gezelts?“ (Hiob 36,29)

Danksagung

Ich möchte den beiden unbekannten Gutachtern für ihre aufschlussreichen Kommentare danken.

Literaturangaben

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  2. Shanan, L., The impact of irrigation; in: Wolman, M.G. and Fournier, F.G.A (Eds), Land Transformation in Agriculture, SCOPE, John Wiley & Sons, New York, S. 115 –131, 1987. Zurück zum Text.
  3. Bulu, A., Historical development of hydrology, Konferenzbeitrag bei BALWOIS 2010, Ohrid, Republik Mazedonien, 25.–29. Mai 2010. Zurück zum Text.
  4. Biswas, A.K., A short history of hydrology: The progress of hydrology, Proceedings of the 1 st International Seminar for Hydrology Professors, vol. II, University of Illinois, IL, S. 914–934, 1956. Zurück zum Text.
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  6. Aristotle, Meteorology (350 BC), Buch 1, Teil 13, übers. Webster, E.W., Internet Classics Archive (classics.mit.edu). Zurück zum Text.
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  8. Harris, J.L., The book of Job and its doctrine of God, Grace Theological J. 13(3):3–33, 1972. Zurück zum Text.
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  10. Ross, B., Phreatophytes in the Bible, Ground Water 45(5):652–654, 2007. Zurück zum Text.
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